Anything but Endo: Diagnostic Buck-Passing in Endometriosis Diagnosis.
Dexter, Rita; Kitts, Megan; Welty, Heather; Jeske, Melanie · Sociology of health & illness
Zusammenfassung & 5 Kernbefunde
Die Studie untersucht die diagnostischen Wege von 52 Patient:innen mit Endometriose durch qualitative Interviews und führt das Konzept des "Diagnostic Buck-Passing" ein. Dieses strukturelle Phänomen beschreibt, wie Patient:innen zwischen verschiedenen medizinischen Fachrichtungen weitergeleitet werden, ohne dass eine klare diagnostische Verantwortung übernommen wird, was zu erheblichen Verzögerungen führt. Die Autor:innen argumentieren, dass dies auf hermeneutische Ungerechtigkeit, Wissenslücken und Unterinvestition in Frauengesundheitsforschung zurückzuführen ist.
- · Diagnostic Buck-Passing ist ein strukturelles Phänomen im Gesundheitswesen, bei dem Patient:innen in einem Zyklus aus Besuchen bei verschiedenen Fachärzt:innen steckenbleiben, was zu verzögerter Diagnose führt, da kein Spezialist die diagnostische Verantwortung übernimmt.
- · Die medizinische Spezialisierung führt dazu, dass Symptome, die mehreren Organsystemen zugeordnet werden könnten, von Kliniker:innen untererkannt oder falsch erkannt werden, wodurch die Verantwortung an andere Fachrichtungen delegiert wird.
- · Endometriose-Diagnosen werden durch hermeneutische Ungerechtigkeit (epistemic injustice) behindert, die aus jahrzehntelanger Unterinvestition in Frauengesundheitsforschung und resultierenden Wissenslücken in der klinischen Praxis resultiert.
- · Symptomvariabilität, Normalisierung von Menstruationsschmerzen und mangelndes Bewusstsein für Endometriose tragen zu verlängerten diagnostischen Wegen bei.
- · In der Fallstudie von Likhita führte das Buck-Passing dazu, dass Antibiotika trotz negativer UTI-Tests verschrieben wurden und eine schmerhafte, unnötige Zystoskopie durchgeführt wurde.